Odin und Sleipnir

Ein scharfer Wind fegte zwischen den Häusern hindurch und wirbelte den Staub in den Ecken auf. Die Nasen dicht am Boden bogen zwei Wölfe in die Rabenstraße ein. Sie trotteten mitten auf der Fahrbahn in Richtung Café Fama. »Verdammt!«, fluchte der blonde Riese und zog sich tiefer in den dunklen Hauseingang zurück. »Freki und Geri!«


Selket zog Zoe und Felix zu sich heran und warnte sie: »Seht ihnen auf keinen Fall in die Augen, sonst verschlingen sie euch.«
Ein Reiter folgte den Wölfen. Um die breiten Schultern des kantigen Mannes lag ein schwarzblauer Umhang. Seine langen grauen Haare und der Bart flossen über den dunklen Stoff, wie Wolkenschleier, die den Nachthimmel durchziehen. Ein breitkrempiger Schlapphut verbarg sein Gesicht. Lautlos glitt sein Grauschimmel über den Asphalt.
»Sieh dir mal die Beine von dem Pferd an!«, sagte Zoe.
»Das sind ja acht.« Felix stieß einen leisen Pfiff aus.
»Und sie berühren kaum den Boden.«
Selket erklärte mit gedämpfter Stimme: »Das ist Odin auf Sleipnir.«

The Rhinegold & the Valkyrie
Odin auf Sleipnir von Arthur Rackham (1867-1939) in Richard Wagners „The Rhinegold & the Valkyrie“, William Heinemann, London, 1910

Beitragsbild: Odin Rides to Hel von W.G. Collingwood (1854 – 1932)

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